jri: Die Feuerwehren der Samtgemeinde Elbmarsch waren über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Harburg. Zum 01. Januar 2027 endet diese gemeinsame Aufgabe in der Struktur. Hintergrund ist die Neuordnung der Kreisbereitschaftszüge aufgrund der Gesetzesänderung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes. Die veränderten Anforderungen führen auch im Landkreis Harburg zu einer neuen Struktur der Einheiten. Die Kreisbereitschaftszüge dienen der überörtlichen Unterstützung bei großen Schadensereignissen, wie z.B. Großbrände, Waldbrände, Gefahrgutunfälle und anderen Einsatzlagen, bei denen zusätzliche Kräfte und Spezialkräfte benötigt werden. Im Landkreis Harburg gibt es aktuell 18 Fachzüge, die je nach Einsatzlage und Bedarf eingesetzt werden können.
Die Feuerwehren Tespe, Bütlingen, Avendorf, Oldershausen, Rönne, Schwinde/Stove und Drennhausen/Elbstorf bildeten über viele Jahre einen gemeinsamen Kreisbereitschaftszug. Anfänglich war die Feuerwehr Hunden ebenfalls im Zug, die im weiteren Verlauf durch die Feuerwehr Oldershausen abgelöst wurde. Zunächst hieß der Zug Wasserförderungszug. Eine Besonderheit war damals die Beteiligung der Feuerwehr Appel aus der Samtgemeinde Hollenstedt. Dort war ein Schlauchwagen 2000 (SW2000) stationiert. Ein spezielles Fahrzeug für den Katastrophenschutz, dass für die Wasserförderung über lange Wegstrecken eingesetzt wird. Der Zug stellte bei vollständiger Besetzung der vorgesehenen Fahrzeuge eine Personalstärke von 37 Feuerwehrleuten. Im Jahr 2007 wurde der Zug neu aufgestellt und erhielt die Bezeichnung Fachzug Brandbekämpfung 3. Die Feuerwehr Appel gehörte anschließend nicht mehr mit zum Zug. Die Aufgabe des Fachzugs war die Wasserförderung über lange Wegstrecken und die Unterstützung bei umfangreichen Brandbekämpfungsmaßnahmen. Bis zu 1500 Meter Schlauchleitung konnten verlegt werden. Darüber hinaus konnte der Zug bis zu 24 Atemschutzgeräte bereitstellen, teilweise einschließlich des erforderlichen Personals.
Durchschnittlich vier Übungen fanden pro Jahr statt. Neben Übungen auf Gemeindeebene gehörten auch Übungen auf Kreisebene dazu. Diese gestalteten sich in Halbtages- und Tagesübungen. Dabei wurden Abläufe, Zusammenarbeit und Einsatzfähigkeit regelmäßig trainiert. Die verlässliche Zusammenarbeit bei den Übungen und auch im Einsatzfall über Gemeinde- und Kreisgrenzen stand immer im Vordergrund und zeigt welchen wichtigen Beitrag die ehrenamtlichen Feuerwehrleute dabei leisten.
Die Führung des Kreisbereitschaftszuges der Elbmarschfeuerwehren lag zunächst bei Heinz Koopmann von der Feuerwehr Marschacht. Sein Stellvertreter war Wilhelm Hagemann von der Feuerwehr Bütlingen. Im Januar 2009 übernahm Wilfried Brandes, Feuerwehr Bütlingen, die Funktion des Zugführers. Martin Heidtmann von der Feuerwehr Schwinde/Stove wurde sein Stellvertreter, später übernahm Dirk Meyer, ebenfalls Feuerwehr Schwinde/Stove, die Aufgabe des Stellvertreters. Wilfried Brandes prägte die Entwicklung des Zuges über viele Jahre maßgeblich mit. Mit großem Engagement setzte er sich dafür ein, die Professionalität und Einsatzstärke des Elbmarscher Kreisbereitschaftszuges kontinuierlich weiterzuentwickeln. Er organisierte anspruchsvolle Übungsszenarien und bereitete die Einsatzkräfte so auf komplexe Schadenslagen vor. Mit seiner Erfahrung, seiner fachlichen Kompetenz und seiner Führungsstärke war er zudem ein geschätzter Ansprechpartner über die Grenzen der Samtgemeinde Elbmarsch hinaus. Gerade Brandes war es wichtig die über viele Jahre gewachsene Erfahrung, die gemeinsame Ausbildung und die gute Zusammenarbeit der beteiligten Ortsfeuerwehren weiterzuentwickeln und eine wertvolle Grundlage zu bilden. Ebenso wichtig sei dabei die kameradschaftliche Basis und das Miteinander gewesen, so Wilfried Brandes. Ende 2024 übergab Brandes die Zugführung an Dirk Meyer. Andreas Schlicht von der Feuerwehr Oldershausen übernahm das Amt des stellvertretenden Zugführers.
Rückblickend sind vier große Einsatzlagen zu erwähnen, zu denen der Elbmarscher Kreisbereitschaftszug alarmiert wurde.
Im Juli 2002 wurde der Kreisbereitschaftszug 3 zum Hochwassereinsatz nach Horneburg, LK Stade, entsandt, um mit Sandsäcken einen künstlichen Deich zu bauen.
Im Juni 2013 kam es in Hollenstedt zu einem Großbrand einer Lagerhalle der Tiefkühlfirma Nordfrost.
Im Juli 2017 hieß es sogar „Tasche packen“. Der Zug rückte zum Hochwassereinsatz in den Landkreis Hildesheim nach Bad Düngen aus. Das Einsatzende war anfänglich unbestimmt.
Im Oktober 2024 wurde der Zug bei dem Großbrand des Entsorgungsbetriebs auf dem Gelände der GfA in Bardowick eingesetzt.
Am 16. Oktober 2026 fand auf dem Gelände der Firma Heims Holzbau die letzte Übung des Elbmarscher Kreisbereitschaftszuges statt. In den Abschlussworten durch Zugführer Dirk Meyer und Gemeindebrandmeister Bernd Block war die Frage, dass mit dem Ende der bisherigen Struktur auch die Frage nach der zukünftigen Zusammenarbeit verbunden ist. Ob und in welcher Form vergleichbare gemeinsame Übungen künftig stattfinden werden, bleibt zunächst offen. Das Ziel bleibt bestehen, so Block, die Feuerwehren der Stadtgemeinde Elbmarsch bestmöglich auf größere und anspruchsvolle Einsatzlagen vorzubereiten.
Der Abschied vom bisherigen Kreisbereitschaftszug ist das Ende eines langjährigen Abschnitts der Feuerwehrgeschichte in der Elbmarsch.



